Sonntag, 18. Juli 2010

Tag 1: Der Start - von Oberstdorf ins Verwalltal zur Konstanzer Hütte

Frühstück um 7 Uhr und ein Blick aus dem Fenster: strömender Regen und Nebel, perfekte Bedingungen für unseren Start. Alles haben wir geplant, nur das nicht. Die Diskussionen beginnen. Starten oder nicht starten? Alternativen zum Schrofenpass gibt es nicht. Von Oberstdorf ist das die einzige Verbindung, die sich mit dem Rad als Gepäck machen lässt.




Längere Diskussionen und dann die erste Bewährungsprobe für die Gruppe. Starten wir gemeinsam oder trennen wir uns? Dann die Entscheidung: wir trennen uns. Zwei fahren per Zug von Oberstdorf über Lindau nach St. Anton. Dort wollen wir uns dann am Nachmittag wieder treffen.



Zu viert gehen wir dann die Alpenüberquerung unerschrocken an. Wir starten hinein in den Nebel und die Ungewissheit, was uns am Schrofenpass erwartet. Kupfi, Dietmar, Micha und Carl machen sich in Regenklamotten auf den Weg. Abschied von den Familien. Ein letztes Mal umgedreht, dann hat sie uns, die Transalp!

Erst einmal geht es runter aus Dietersberg, vorbei am Golfplatz in Richtung Oberstdorf, dann nach links, vorbei an den Anlagen für die Nordische Ski-WM fahren wir in Richtung Stillachtal. Kurz nach der Eschbach Alpe (ca. 200 m) biegen wir nach rechts ab und folgen dem asphaltierten Alpwirtschaftsweg ins Rappenalptal. Nach der Brücke über die Stillach beginnt ein Anstieg bis zur Buchraineralpe. Anschließend eine kurze Abfahrt und weiter leicht ansteigend an der Breitengehrenalpe vorbei zur Unteren Biberalpe. Nun geht es auf einer Splitt- und Schotterstraße steil bergauf bis zur Speicherhütte.

Hier treffen wir ....... ein Rudel Neuseeländer und ....... Andi Heckmair! Er guidet diese Gruppe von verrückten Neuseeländern, die flott unterwegs sind. Dabei als Guide ist auch der Martin aus Oberstdorf. Den Anstieg zur Speicherhütte schieben wir erst einmal, wollen das Pulver nicht gleich verschießen.

An der Speicherhütte machen wir kurz Rast und bereiten uns auf den Schrofenpass vor. Es regnet und ist stark neblig. Die Sicht beträgt vielleicht 10-15 m. Ab hier ist der Weiterweg mit dem Bike über den Schrofenpaß nur tragend bzw. schiebend möglich.

Auf Pfaden, auf denen sonst nur die Kühe zuhause sind machen wir uns auf in Richtung Pass. Kupfi, unser Schwerenöter in der Gruppe, macht gleich die erste Damenbekanntschaft, Fanny, die läufigste der Kühe weicht nicht mehr von ihm, er muss heute eine ganz besondere Sitzcreme verwendet haben. Glitschig ist derWeg, die Sicht wird mit jedem Meter noch schlechter. Wir erleben den Schrofenpass heute von seiner ganz besonders einladenden Seite. Ich möchte ehrlich gesagt auch nicht ganz nach unten sehen können, wir können die Tiefe nur ahnen.

Immer wieder kommen uns die Hinweise von Achim Zahn und Ulrich Stanciu ins Gedachtnis, das Rad immer talseits zu tragen und es bei Gefahr im Zweifel abzuwerfen. Wieviele Räder da unten wohl schon liegen mögen? Wir sind oben und stolz die größte Hürde des ersten Tages unversehrt genommen zu haben. Es hat sich auf alle Fälle gelohnt per Bike gestartet zu sein! ...... Hier oben überqueren wir die Grenze von Deutschland nach Österreich.

Die Abfahrt bzw. das Abrutschen auf den Wiesen und ausgetretenen Lehmpfaden nach Lechleiten ist schmierig. Die Wiesen sind nass, fahrbar ist die Strecke eigentlich nicht. Micha befreit sein Rad bzw. die V-Brakes vom ersten österreichischen Schmadder.

Von Lechleiten geht ess über Warth nach Lech am Arlberg. Vorbei an den Wiesen, die bei Schnee im Winter der Grund für die Sperrung der Straße Lech-Warth sind. Wegen der rutschigen Wiesen besteht hier Akute Lawinengefahr. Lech kenne ich zwar vom Skifahren wie meine Westentasche, nicht jedoch im Sommer.

In Lech gibt es bei Pfefferkorn´s erst einmal eine kleine Brotzeit. Die Auffahrt nach Zürs über auf der Straße ist zäh und in den Tunnels kräftezehrend. In Zürs geht mitten durch den Ort, vorbei am Hotel Edelweiss kommt mir kurz das Zürserl gleich wieder bekannt vor. Da gab es schon vor 20 Jahren legendäre Silvesterparties....... Kurz nach Zürs folgt der Flexenpass. Jetzt geht es erst einmal bergab durch die Lawinentunnels, eine nicht ganz ungefährliche Sache bei diesem Regen, da doch das eine oder andere Autoentgegen kommt. In Stuben biegen wir dann links ab inRichtung Arlbergpass und St. Anton. Auch die Auffahrt auf den Arlbergpass ist alles andere als attraktiv. Die stark befahrene Straße und strömender Regen lassen die Tritte schwer fallen.

In "Stanton" dauert es dann eine Weile, bis wir uns zusammentelefoniert und dann auch gefunden haben. Saukalt ist es in den nassen Klamotten. Jetzt beginnt die Tour eigentlich erst für alle. Wir bestreiten gemeinsam den Rest der Etappe moderat hianuf durchs Verwalltal zur Konstanzer Hütte.

Patschnass kommen wir gemeinsam in der Hütte an. Die Räder werden unter einem Scheunendach verstaut. Es gibt einen Trockenraum, den die Neuseeländer eigentlich schon mehr als occupiert haben. Jeder Zentimeter Wäscheleine ist doppelt bis dreifach behangen. Da trocknet nichts bis zum nächsten Morgen.....

Die Schlafräume sind zwar Matratzenlager, doch haben wir einen abgeschlossenen Bereich für uns. Erst einmal raus aus dem nassen Zeugs. Die heiße Dusche belebt auch die letzten Körperteile wieder.

Das Abendessen beginnt um 17.00h, Menü für alle. Die Neuseeländer sitzen schnell beim ersten Bier. Hecki und Martin sind gefragte Diskutanten.

D´r Mardin erzählt uns am Rande beim Abendessen, dass er seinen Job als Alpinskilehrer in Oberstdorf an den Nagel gehängt hat und Langlauflehrer wurde, weil der die vielen Frauengeschichten nicht mehr ausgehalten hat ...... Martin über eine seine Gruppenteilnehmerinnen: "Sigsch´d Du die Wiaschde do driaba, die fahrt abr sauguat!"



Trotz Matratzenlager schlafen wir gut. Ich würde die Hütte als eine der kompfortableren einstufen.

Die Streckenführung der ersten Etappe:

Dietersberg/Oberstdorf (813m)-Stillachtal-Rappenalpental-Speicherhütte-Schrofenpass (1687m)-Lechleiten (1539m)-Warth-Lech (1444m)-Zürs (1716m)-Flexenpass (1773m)-Stuben (1407m)-Arlbergpass (1793m)-St. Anton (1284m)-Konstanzer Hütte (1700m).

Die technischen Daten der 1. Etappe:

• Fahrstrecke: 64,03 km
• Fahrstrecke kumuliert: 64,03 km
• Fahrzeit: 5:34:37 h
• Durchschnitt: 11,46 km/h
• Vmax: 65,8 km/h
• Höhenmeter:
• Höhenmeter kumliert:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen